Warum es dein Nervensystem unterstützen kann, Gefühle zu benennen.

Manchmal versuchen wir sofort, ein unangenehmes Gefühl loszuwerden. Wir atmen dagegen an, lenken uns ab oder sagen uns: Ich sollte mich jetzt nicht so fühlen.

Kennst du das? Ich glaube, wir alle kennen es. Doch anstatt das Gefühl sofort verändern zu wollen, versuche zunächst, es zu benennen.

Was passiert, wenn wir Gefühle benennen?

In der Psychologie wird das bewusste Benennen eines Gefühls als Affect Labeling bezeichnet.

In einer neurowissenschaftlichen Studie betrachteten die Teilnehmenden Bilder von Menschen mit emotionalen Gesichtsausdrücken. Währenddessen wurde ihre Gehirnaktivität mithilfe einer funktionellen Magnetresonanztomografie gemessen.

Wenn die Teilnehmenden die wahrgenommene Emotion mit einem Wort benannten – beispielsweise „ängstlich“ oder „wütend“ –, zeigte sich eine geringere Aktivität in der Amygdala als bei den Vergleichsaufgaben. Gleichzeitig nahm die Aktivität in einem Bereich des präfrontalen Cortex zu, der an der Verarbeitung und Regulation von Emotionen beteiligt ist.

Vereinfacht gesagt:

Wenn wir ein Gefühl benennen, kann unser Gehirn beginnen, die emotionale Erfahrung bewusster einzuordnen.

Anstatt die Emotion sofort wegzuatmen, zu analysieren oder zu unterdrücken, können wir ihr zunächst Raum geben.

Nicht: Wie werde ich dieses Gefühl möglichst schnell los? Sondern: Was fühle ich gerade wirklich?

Eine einfache Übung für den Alltag

Wenn du das nächste Mal bemerkst, dass etwas in dir unruhig wird, halte kurz inne. Lege eine Hand auf die Stelle in deinem Körper, an der du die Reaktion am deutlichsten wahrnimmst, und vervollständige den Satz:

„Ich spüre gerade …“

Versuche, das Gefühl möglichst konkret zu benennen:

Wut. Angst. Enttäuschung. Scham. Traurigkeit. Überforderung.

Bleibe anschliessend für drei ruhige Atemzüge bei dem, was du wahrnimmst, ohne es sofort verändern zu wollen.

Was verändert sich?

Emotionen verstehen und körperorientiert begleiten

Genau das ist auch ein wichtiger Teil der Emotional Body Method Ausbildung: Emotionen nicht nur im Kopf zu analysieren, sondern zu verstehen, wie sie sich im Körper und im Nervensystem zeigen und wie wir ihnen sicher begegnen können.

Die Ausbildung ist für dich, wenn du deine eigenen emotionalen Prozesse tiefer verstehen möchtest. Gleichzeitig lernst du körperorientierte Methoden, die du professionell in der Begleitung deiner Kundinnen und Kunden einsetzen kannst.

Mehr zur Ausbildung erfahren.

Und hier gerne eine kleine Spotify-Übung dazu.

Quelle: Lieberman et al. (2007), Putting Feelings Into Words: Affect Labeling Disrupts Amygdala Activity in Response to Affective Stimuli

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